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Auf Schoko-Suche
Letzte Woche hatte ich plötzlich so Lust auf Schokolade wie daheim, am liebsten hätte ich Ritter-Sport in allen Variationen gehabt, aber sowas isst hier niemand. Hab in der ganzen Stadt gesucht und letztendlich an einer Tankstelle die Schoki und sogar Joghurt gefunden. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie gut das tut, nach fünf Monaten mal wieder Schokolade zu essen, unglaublich.
Werde jetzt gar nicht viel mehr schreiben, außer, dass ich am Sonntag wieder eine Reise starte, diesmal ins Landesinnere, in die Waldregion, wird so ca 10 Tage dauern und ich werde richtig Guinea erleben. Versuch grad bissle Small-Talk auf Gersé, der Sprache dort zu lernen, die alten Leute sprechen meistens kein Französisch.
Ach ja, und ich wollte euch alle hiermit recht unauffällig daran erinnern, dass ihr unbedingt übermorgen (4. Februar) bei mir daheim, also in Deutschland anrufen sollt. Mein kleiner Bruder wird zahlenmäßig erwachsen und freut sich sicher über eure Glückwünsche. Bitte beachtet diesen Tipp unauffällig und grüßt ihn lieb von seiner Schwester ;)
02 Feb 2010
Admin · 5 mal angesehen · 0 Kommentare
Platte Reifen....weiße Zähne


Wie versprochen schreibe ich euch von der Rückreise aus dem Senegal heim nach Guinea.



Während der Fahrt dachte ich zuerst, dass ich euch in einem Satz sagen könnte, dass alles viel einfacher und unkomplizierter verlaufen ist als auf der Hinfahrt. Wir starteten von Fatick in einer Art Bus mit knapp 40 Leuten. Ging gut, wir sahen eine riesige Schlange unterwegs, alle schrieen „Fahr drüber!“, wäre ein gutes Abendessen geworden, aber der Chauffeur war leider zu langsam ;(



Am Taxibahnhof von Déaobé kurz vor der Grenze suchten wir Taxis, es waren Wucherpreise und da man da auf keinen Fall stressen darf, sondern so tun muss als ob man alle Zeit der Welt hat, sind wir von morgens 6 bis um 11e rumgestanden oder gesessen und haben verhandelt. Schließlich gab man uns Autos und Chauffeure, aber was für Klappergestelle…wir sagten gleich, dass der eine Reifen nicht lange halten würde, aber der Chauffeur sprach von Gottvertrauen und unbeeinflussbarem Schicksal…10 Minuten nach Abfahrt platzte der Reifen, dasselbe passierte immer wieder, vllt einmal die Stunde im Schnitt, bis wir dann keinen Ersatzreifen mehr hatten und weit und breit kein Dorf mehr war. Nachts um 2 platzte der letzte Reifen. Der Chauffeur sprang damit kurzerhand auf das Dach eines anderen Buschtaxis, das vollbeladen schon bedenklich wackelte und ließ uns am Straßenrand zurück. Wir verbrachten die Nacht im und ums Auto (mit 10 Leuten in einem ursprünglichen 5-Sitzer-PKW), irgendwann machten wir ein Feuer, weil es echt kalt war. Morgens um 9 beschlossen wir Gottesdienst zu feiern und beteten für die Situation. Wir hatten weder Essen noch Wasser, wie wir feststellten. Während wir noch beteten, hielt ein Auto neben uns und reichte uns zwei Brote und den Rest einer Dose Sardinen….um 11 Uhr kam ein Taxi mit Chauffeur und Wechselreifen. Ich hatte in nachts, als ich so halb schlief plötzlich so Lust Auf  Nutella bekommen und dachte noch, wenn ich das jetzt hätte, am liebsten mit Bananen…als der Chauffeur ausstieg, brachte er uns Wasser, Brot…und stellt euch vor, dazu eine große Dose Schokokreme und Bananen! Gott ist doch echt fürsorglich. Von da ab war die Fahrt einfacher, wir kamen nach fast 3 Tagen auf der Straße wieder daheim in Conakry an, wo wir schon sehnsüchtig erwartet wurden. Mit Handynetz is im „Niemandsland“ nämlich auch nicht viel…



Nach 5 Stunden Schlaf stand ich auf, um wieder in der Schule zu unterrichten, die Ferien waren vorbei , das Land ist ja weitgehend muslimisch geprägt, da is Weihnachten  nicht so eine große Sache.



Hier war mir anfangs im Vergleich zum Senegal etwas kalt, inzwischen geht’s wieder. Als Begrüßung und auch Wertschätzung bekommt man hier von allen Seiten gesagt, dass man ja so sehr zugenommen hat, is gewöhnungsbedürftig, aber jetzt kann ich das schon ganz gut annehmen;)



Für meine Schulklasse hatte ich beschlossen den Moralunterricht praktisch werden zu lassen. Es ging um Sauberkeit und so weiter und ich beschloss, den Kids das Zähneputzen beizubringen, ist hier nicht unbedingt üblich und wenn, dann nur morgens, das reicht ja völlig. Nun hat jedes Kind eine kleine Zahnbürste mit Namen drauf und ich habe schön erklärt, dass wir auf Zuckerjagd gehen, weil der böse Zucker sonst unsere Zähne tötet und sein Haus dort baut. War echt ne witzige Aktion, hab die ganze Woche nach der großen Pause die Zähne von knapp 50 Kindern geputzt, teilweise echt traurig, was man da sieht, aber den Kindern hat es Spaß gemacht, ich hoffe, sie machen nun weiter und die Sache war nicht umsonst.



Außerhalb der Schule sind wir gerade in Fußballstimmung wegen der Afrika-Meisterschaft und ärgern uns dabei, dass der Strom, wenn überhaupt nur nachts zwischen 0 und 6 Uhr kommt. Hier gibt es das Wort „Stromausfall“ nicht, es jubelt nur von allen Seiten, wenn es überhaupt mal Strom gibt.



Nun noch mein witzigstes Erlebnis: Im Land hier gibt es ja zur Zeit einige politische Umbrüche und da der Präsident außer Landes ist warteten die letzten Wochen alle gespannt auf die Landung seines Flugzeugs, viele verbrachten Tage und Nächte am Flughafen. Eines morgens in der Schule, ich unterrichtete gerade Französisch, da flog ein Flugzeug recht tief über uns. Alle Kinder begannen im Chor zu schreien: „Avion Foté ta!“ In ihrer Sprache bedeutet das soviel wie: „Flugzeug, Stadt der Weißen!“ Das Flugzeug kommt und geht zur Stadt der Weißen. Zuerst musste ich einfach nur lachen, die Kinder hörten nicht mehr auf und vergaßen völlig, dass zwei Lehrerinnen im Raum waren, es war schwer sie zu beruhigen. So ist das hier immer, wenn ein Flugzeug gesichtet wird…


24 Jan 2010
Admin · 7 mal angesehen · 0 Kommentare
Jede Woche Abenteuer…;)
Es gibt viel zu erzählen (Eintrag vom 31.12., eingestellt in D):

08 Jan 2010
Admin · 47 mal angesehen · 0 Kommentare
Rückreise und Abschiedsparty…
Die Labé-Reise war zwar kurz, aber doch sehr schön und ich habe so einiges vom Land sehen können. Am Dienstag sind wir wiederzurückgefahren, diesmal mit Anna, die ja nun wieder in Deutschland ist. Es hat alles echt gut geklappt, auch wenn wir auf dem Weg noch mehr Militärsperren als auf dem Hinweg begegnet sind. Wir haben auf dem Weg noch einiges mitgenommen.

Nicht dass unser altes Auto nicht eh schon recht beladen gewesen wäre, ein
bisschen geht immer noch. So haben wir alle möglichen Früchte von
Straßenhändlern gekauft, einen Hasen und zwei Affen von Jägern erhandelt und
dann noch bestimmt 6 große Säcke Kohle aufs Dach gepackt. Kurz vor Conakry war
wieder eine Militärsperre. Bisher hatte man uns mit den Autopapieren leicht
passieren lassen, doch diesmal sagte uns der Soldat schroff, dass die Weißen
aussteigen sollten. Er wollte Pässe sehen, als er Europa hörte, war er noch
unfreundlicher, Mission interessierte ihn nicht. Er fragte nach den
Impfausweisen, Anna hatte ihren, ich leider nicht, da man den an sich nur für
die Einreise braucht. Er sagte, dass ich ohne den nicht passieren werde. Er
zockte einiges Geld von anderen ab und ging mit meinem Ausweis weg. Er rief uns
in seine Hütte und dort stellte er mir einige Fragen wie „Bist du verheiratet?“
oder „Was machst du in Guinea?“ Ich habe die ganze Zeit gebetet und dann kamen
zwei Militärs, schwerbewaffnet, die sich aber als Christen rausstellten. Die
haben die Situation gleich verstanden und uns geholfen, sonst hätten wir wohl
sehr viel Geld bezahlen müssen. Der Rest der Fahrt verlief recht gut, jeder
Soldat will halt doch nochmal die Insassen wegen „Wilderei“ oder „überladenem
Auto“ anmotzen, aber spät nachts waren wir endlich wieder daheim.



Am Donnerstag waren wir in der Residenz des Prinzen Karl der
deutschen Botschaft eingeladen. Dort gab es ein Spektakel und Essen. Ab dem
Moment war das Fest afrikanisch. Die waren auch in der Überzahl. Der Topf war
noch wenigen Minuten leer, die Teller vollgeschaufelt, drumherum sah es schlimm
aus und jeder saß oder stand  und aß in
sich rein…wir waren leider nicht schnell genug. Hab erst mit einem Musiker
tanzen müssen, dann hat er uns noch Essen besorgt. Es war direkt am Meer und
sehr schön dort, ein kurzer Moment Luxus.



Von Luxus kann hier nicht die Rede sein, weil unser Strom immer
weniger und seltener kommt und auch das Wasser einfach mal nicht kommt. In
jeder Dusche steht ein Eimer Wasser für Notfälle, daher als dann letzte Woche
das Wasser 5 Tage lang nicht kam, mussten wir es eben doch aus dem Brunnen
holen gehen, Gott sei Dank habe ich hier genügend große Brüder;)



Von Samstag auf Sonntag haben Anna und ich zum Abschied auf
dem Dach geschlafen, hier ist es ja nicht wirklich kalt. Wir haben noch Tee
gemacht bekommen, viel geredet und wenig geschlafen. Unter freiem Himmel mitten
in Conakry, das mach ich vielleicht jetzt öfters…



Wann ich wieder schreiben kann ist noch nicht sicher, Anna
wird versuchen die Bilder für mich hochzuladen, dann könnt ihr euch etwas
besser vorstellen, wie es hier so aussieht…



Bald geht meine Reise in den Senegal los, bis dahin werde
ich noch fleißig Kinder in der Schule prüfen und schön warme Weihnachten ohne
Plätzchen und Punsch feiern..



Doch jetzt heißt es erstmal „Au revoir, Anna, es war eine
schöne Zeit mit dir!“


26 Dez 2009
Admin · 35 mal angesehen · 3 Kommentare
Der Alltag.... und eine Reise ins Landesinnere




Die Schule hat am 19. Oktober nun endlich angefangen, man
glaubt’s ja kaum. Ich unterrichte die Klasse der Maternelle mit bereits 60
Kinder zwischen zweieinhalb und sechs Jahren in der Klasse



Ein normaler Arbeitstag beginnt für mich früh morgens,
manchmal habe ich noch gar nicht gefrühstückt, da klingelt man mich auf meinem
Handy an, weil ich im Rektorat gebraucht werde. Wenn der Direktor (noch) nicht
da ist, übernehme ich seinen Job, da er fast immer zu spät kommt, werde auch
manchmal ich für die Direktorin gehalten.



Um 7:45 Uhr stellen sich alle Kinder nach Klassen geordnet
vor dem Fahnenmast auf, es werden einige Kommandos wie „Stillgestanden“ oder
„Rührt euch“ gegeben, danach wird die Nationalhymne gesungen, die Flagge
gehisst und um 8 Uhr beginnt der Unterricht. Die Kinder hier sind ans
Geschlagenwerden so sehr gewöhnt, dass sie auf nichts anderes reagieren. Sie
schlagen sich oft gegenseitig und sind nicht zimperlich dabei, manche Kleinen
weinen komplett die vier Stunden durch, andere weigern sich ins Klassenzimmer
zu kommen. Ich höre aus jeder Ecke „Madame, Madame!“. Das kann entweder ein Ruf
nach Anerkennung der ersten selbstgeschriebenen Zahlen und Buchstaben  sein, oder aber ein weinerliches  „Der hat mich geschlagen!“,  „ Der hat meine Tafel geklaut!“ oder „Madame,
pipi!“. Um 10 Uhr ist Pause, da werden jedem Kind die Hände gewaschen, wie wir
im Hygiene- und Moralunterricht gelernt haben und dann dürfen sie erst essen.



Wenn um 12 Uhr die Schule für die Kleinen zu Ende ist,
beginne ich bereits einige Zeit vorher die Rucksäcke zu kontrollieren. Da finde
ich dann die auf mysteriöse Weise verschwundenen Spielsachen wieder. Wenn ich
dann in einigen Rucksäcken 3 Tafeln anstatt einer finde oder ein Kind wieder
weint, weil ein anderes sein Geld für die Pause geklaut hat, denke ich
manchmal, ich bin von lauter kleinen Dieben umgeben.



Einfacher wäre das Ganze ja, wenn die Kinder wenigstens
Französisch sprechen würden….aber die meisten sprechen nur ihre Stammessprache
und erwarten, dass ich was verstehe…



Ich bin für die gesamten Finanzen der Schule verantwortlich,
darf also jeden Tag rechnen und die Zehnerstapel von Schulgeld zählen, bei mir
bekommen die Lehrer dann auch ihre Löhne und bei mir müssen alle Ausgaben genehmigt
werden ;)



Um 12 Uhr ist der Unterricht für die Kleinen zu Ende, danach
kann ich dann alles andere erledigen, irgendwann nachmittags ist der Reis
fertig und danach schläft man am besten, weil es heiß ist und man nichts
anderes auf die Reihe bekommt. Abends spät sitze ich oft mit meinen Brüdern auf
dem Dach im Wind und wir trinken den typischen Tee, ein richtiges Ritual…ist
wie der Kaffee morgens bei uns, gibt es einmal keinen Tee, bekommt man richtig  schlechte Laune…der Tee hält auch wach und
der Schlaf leidet drunter, aber wir diskutieren über viele interessante Dinge,
oder wir spielen Fußball mit Insekten, so ne Art Käfer, die sich immer tot
stellen, einmal bin ich iwann drauf getreten, aus Versehen, dann war’s echt
tot;)



Nun erzähle ich euch noch von meinem exklusiven
Wäscheerlebnis:



Hier gibt es eine Waschmaschine. Die Voraussetzung, um diese
benutzen zu können ist allerdings Strom und Wasser gleichzeitig zu haben. Hat
man von beidem genug kann man einen Versuch starten. Beim ersten Mal ging alles
gut, beim zweiten Mal hat sich diese tolle Waschmaschine leider beim Waschen
geöffnet, was ich erst recht spät gemerkt habe. Dies führte zu einer kleinen
Überschwemmung in meinem Zimmer hier. Hab dann von Hand zu Ende gewaschen und
die Wäsche in die Mittagssonne gehängt. Um 17 Uhr habe ich mich schon sehr
gefreut, dass sie fast ganz trocken ist und ich bin fröhlich zum zweistündigen
Gebet in die Gemeinde gegangen. Um ca 18:30 Uhr, kurz vor Ende des Gebets höre
ich plötzlich ein verdächtiges Geräusch, das immer lauter wird, die Luft kühlt
drastisch ab….ein echtes Tropengewitter…Ich dachte sofort an meine Wäsche,
wusste aber, dass es zu spät war. Als ich später  nachsah, war meine Wäsche nicht nur völlig
nass, sondern durch den starken Wind auch runtergefallen und voll im Matsch. Am
nächsten Morgen habe ich also alles nochmal gewaschen, diesmal von Hand, auf
Nummer sicher.



Und die Moral von der Geschicht, traue Waschmaschine und
Wetter nicht!



Post scriptum:



Eigentlich war mein Blogeintrag hier zu Ende und ich wollte
ihn schon lange ins Internet stellen, hat aus verschiedenen Gründen nie
geklappt, deshalb kommt hier noch ein bisschen mehr, wer weiß, wann ich wieder
an Internet komme…



Wir sind am Samstag nach Labé, ca 400km ins Landesinnere, in
die Berge gefahren. Die Strecke war interessant, besonders mit der politischen
Lage überall Militärkontrollen, hauptsach man zeigt nen Pass, lesen können die
meisten Militärs eh nicht. Gestern ging ein Kindheitstraum in Erfüllung, wir
sind an einen Wasserfall gefahren, wie ihr ja wisst, liebe ich schwimmen,
besonders in der Natur…stellt euch eine Weiße im Fluss vorm Wasserfall direkt
unter Palmen vor, es war so herrlich!



Ich fühle mich genau an meinem Platz, ich bin in Afrika,
manchmal kann ichs immer noch nicht glauben, mein Traum seit 15 Jahren und es
wird immer schöner!


07 Dez 2009
Admin · 112 mal angesehen · 4 Kommentare

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