Die Schule hat am 19. Oktober nun endlich angefangen, man
glaubt’s ja kaum. Ich unterrichte die Klasse der Maternelle mit bereits 60
Kinder zwischen zweieinhalb und sechs Jahren in der Klasse
Ein normaler Arbeitstag beginnt für mich früh morgens,
manchmal habe ich noch gar nicht gefrühstückt, da klingelt man mich auf meinem
Handy an, weil ich im Rektorat gebraucht werde. Wenn der Direktor (noch) nicht
da ist, übernehme ich seinen Job, da er fast immer zu spät kommt, werde auch
manchmal ich für die Direktorin gehalten.
Um 7:45 Uhr stellen sich alle Kinder nach Klassen geordnet
vor dem Fahnenmast auf, es werden einige Kommandos wie „Stillgestanden“ oder
„Rührt euch“ gegeben, danach wird die Nationalhymne gesungen, die Flagge
gehisst und um 8 Uhr beginnt der Unterricht. Die Kinder hier sind ans
Geschlagenwerden so sehr gewöhnt, dass sie auf nichts anderes reagieren. Sie
schlagen sich oft gegenseitig und sind nicht zimperlich dabei, manche Kleinen
weinen komplett die vier Stunden durch, andere weigern sich ins Klassenzimmer
zu kommen. Ich höre aus jeder Ecke „Madame, Madame!“. Das kann entweder ein Ruf
nach Anerkennung der ersten selbstgeschriebenen Zahlen und Buchstaben sein, oder aber ein weinerliches „Der hat mich geschlagen!“, „ Der hat meine Tafel geklaut!“ oder „Madame,
pipi!“. Um 10 Uhr ist Pause, da werden jedem Kind die Hände gewaschen, wie wir
im Hygiene- und Moralunterricht gelernt haben und dann dürfen sie erst essen.
Wenn um 12 Uhr die Schule für die Kleinen zu Ende ist,
beginne ich bereits einige Zeit vorher die Rucksäcke zu kontrollieren. Da finde
ich dann die auf mysteriöse Weise verschwundenen Spielsachen wieder. Wenn ich
dann in einigen Rucksäcken 3 Tafeln anstatt einer finde oder ein Kind wieder
weint, weil ein anderes sein Geld für die Pause geklaut hat, denke ich
manchmal, ich bin von lauter kleinen Dieben umgeben.
Einfacher wäre das Ganze ja, wenn die Kinder wenigstens
Französisch sprechen würden….aber die meisten sprechen nur ihre Stammessprache
und erwarten, dass ich was verstehe…
Ich bin für die gesamten Finanzen der Schule verantwortlich,
darf also jeden Tag rechnen und die Zehnerstapel von Schulgeld zählen, bei mir
bekommen die Lehrer dann auch ihre Löhne und bei mir müssen alle Ausgaben genehmigt
werden ;)
Um 12 Uhr ist der Unterricht für die Kleinen zu Ende, danach
kann ich dann alles andere erledigen, irgendwann nachmittags ist der Reis
fertig und danach schläft man am besten, weil es heiß ist und man nichts
anderes auf die Reihe bekommt. Abends spät sitze ich oft mit meinen Brüdern auf
dem Dach im Wind und wir trinken den typischen Tee, ein richtiges Ritual…ist
wie der Kaffee morgens bei uns, gibt es einmal keinen Tee, bekommt man richtig schlechte Laune…der Tee hält auch wach und
der Schlaf leidet drunter, aber wir diskutieren über viele interessante Dinge,
oder wir spielen Fußball mit Insekten, so ne Art Käfer, die sich immer tot
stellen, einmal bin ich iwann drauf getreten, aus Versehen, dann war’s echt
tot;)
Nun erzähle ich euch noch von meinem exklusiven
Wäscheerlebnis:
Hier gibt es eine Waschmaschine. Die Voraussetzung, um diese
benutzen zu können ist allerdings Strom und Wasser gleichzeitig zu haben. Hat
man von beidem genug kann man einen Versuch starten. Beim ersten Mal ging alles
gut, beim zweiten Mal hat sich diese tolle Waschmaschine leider beim Waschen
geöffnet, was ich erst recht spät gemerkt habe. Dies führte zu einer kleinen
Überschwemmung in meinem Zimmer hier. Hab dann von Hand zu Ende gewaschen und
die Wäsche in die Mittagssonne gehängt. Um 17 Uhr habe ich mich schon sehr
gefreut, dass sie fast ganz trocken ist und ich bin fröhlich zum zweistündigen
Gebet in die Gemeinde gegangen. Um ca 18:30 Uhr, kurz vor Ende des Gebets höre
ich plötzlich ein verdächtiges Geräusch, das immer lauter wird, die Luft kühlt
drastisch ab….ein echtes Tropengewitter…Ich dachte sofort an meine Wäsche,
wusste aber, dass es zu spät war. Als ich später nachsah, war meine Wäsche nicht nur völlig
nass, sondern durch den starken Wind auch runtergefallen und voll im Matsch. Am
nächsten Morgen habe ich also alles nochmal gewaschen, diesmal von Hand, auf
Nummer sicher.
Und die Moral von der Geschicht, traue Waschmaschine und
Wetter nicht!
Post scriptum:
Eigentlich war mein Blogeintrag hier zu Ende und ich wollte
ihn schon lange ins Internet stellen, hat aus verschiedenen Gründen nie
geklappt, deshalb kommt hier noch ein bisschen mehr, wer weiß, wann ich wieder
an Internet komme…
Wir sind am Samstag nach Labé, ca 400km ins Landesinnere, in
die Berge gefahren. Die Strecke war interessant, besonders mit der politischen
Lage überall Militärkontrollen, hauptsach man zeigt nen Pass, lesen können die
meisten Militärs eh nicht. Gestern ging ein Kindheitstraum in Erfüllung, wir
sind an einen Wasserfall gefahren, wie ihr ja wisst, liebe ich schwimmen,
besonders in der Natur…stellt euch eine Weiße im Fluss vorm Wasserfall direkt
unter Palmen vor, es war so herrlich!
Ich fühle mich genau an meinem Platz, ich bin in Afrika,
manchmal kann ichs immer noch nicht glauben, mein Traum seit 15 Jahren und es
wird immer schöner!
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